Leonie Seifert

Mein Transitionsprozess zur Frau

1. Endokrinologie-Termin ♥

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Mein Transitionsprozess zur Frau

1. Endokrinologie-Termin ♥

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Hallo ihr Lieben,

heute bin ich auf zwei Bilder aus Dezember 2018 gestoßen. die mich daran erinnert haben, wie zerrissen, traurig und depressiv ich damals war.

Diese Bilder waren meine Art und Weise auszudrücken, dass ich nicht fähig war mich und meine wahren Gefühle auszudrücken oder überhaupt zu erkennen und zu verstehen. Es gab immer wieder solche Momente, in denen mein Innerstes, in denen Ich versuchte mich zu finden und aus mir herauszukommen. Doch es war immer wieder vergebens, ich verstand nie was das alles zu bedeuten hatte, wer ich war und warum es mir im Laufe des Lebens immer schlechter ging. Selbst jahrelange Therapie brachte mich kaum weiter, weil ich meine Transidentität nie ernst genug nahm, mir für meine Depressionen und Angststörungen selbst die Schuld gab und alles verdrängte.

Es gibt einen Text, den ich vor fast genau 10 Jahren schrieb und den bisher nur wenige Mensch gelesen haben. Er spiegelt sehr gut wider, wie ich schon damals ständig auf der Suche nach mir war und wie ich schon bruchteilhaft erkannte. dass ich keine beständige Identität hatte. Es ist ein sehr persönlicher Text und ich hätte nie gedacht, dass ich ihn überhaupt mal jemandem zeige. Solche Texte schrieb ich immer wieder mal einfach nur für mich selbst, weil diese Gedanken und Gefühle da waren und raus wollten. Heute bin ich sehr glücklich darüber solche Texte noch zu haben, denn es zeigt mir, wie ich mich damals gefühlt habe und ermöglicht mir heute meine Vergangenheit zu verstehen.

Den folgenden Text habe ich am 01.04.2012 geschrieben.

Gespaltenes Ich

Was ist wahr und was nicht? Welche Gedanken sind meine und welche seine?  Was ist falsch und was ist richtig? Wer bin ich? Irre ich mich? Bestehen meine Gedanken aus lügen? Wie kann ich lernen das Richtige zu denken? Wie kann ich endlich wirklich glücklich werden? Was bedeutet Glück für mich überhaupt? Warum schade ich mir selbst immer wieder aufs Neue? Bin ich Normal? Wie kann ich das Leben führen, das ich mir wünsche? Wünsche ich mir überhaupt das Richtige? Was ist das Richtige? Was mache ich falsch? Mache ich überhaupt irgendetwas richtig? Wer kann mir helfen? Kann ich mir selbst helfen? Wie kann ich mir überhaupt helfen? Warum stehe ich mir selbst im Weg? Wie kann ich mein zweites Ich bekämpfen? Oder muss ich lernen mit ihm zu leben? Und wenn, wie kann ich seine Bedürfnisse befriedigen ohne mir selbst zu schaden? Oder bin gar ich selbst das schlechte Ich, das verschwinden muss? Und selbst wenn ich verschwinden muss, wie kann ich das schaffen? Ich habe schließlich ein eigenes Bewusstsein, das sich nicht einfach so auslöschen lässt. Oder sollte ich einfach versuchen mich selbst zu vergessen?

Manchmal  gelingt es mir, ab und zu sogar einen ganzen Tag lang. Doch dann gehe ich schlafen, schon in der Angst, dass morgen alles wieder vorbei ist. Dann wache ich morgens auf, alles scheint normal zu sein. Doch im Laufe des Tages merke ich, dass sich meine Befürchtung erfüllt hat, ich bin wieder der Mensch, der ich nicht sein will und ich frage mich, warum? Was hat die Nacht mit mir gemacht, dass ich heute nicht mehr der Gleiche bin? Sind die Träume daran schuld? Haben sie einen so starken Einfluss auf mich? Oder wie ist es möglich, dass ich von einem Tag zum nächsten ein Anderer bin?

Ich habe sogar fast das Gefühl, dass es nicht nur zwei Personen sind. Es ist fast so, als würde kein festes Ich existieren, als wäre ich jeden Tag eine beliebige Person aus meiner Erinnerung, die mich irgendwann einmal geprägt hat. Dabei sollte mein eigenes Ich doch eine Vermischung all dieser Menschen sein.

Funktioniert etwa mein Gehirn nicht richtig? Oder wurde meine Psyche einfach nur in die falschen Bahnen gelenkt? Oder flüchte ich mich vielleicht einfach in eine andere Person, weil mein eigenes Ich zu sehr verwirrt ist?

Ein Leben in ständiger Verwirrung ist so furchtbar anstrengend. Doch es ist unmöglich sich vollkommen in eine andere Persönlichkeit zu flüchten, so kann diese andere Persönlichkeit, in die ich mich flüchte doch nur eine Zerrissene sein. Und wie verängstigt muss sie sein, wenn sie spürt, dass sie nicht Komplett ist? Doch wie kann ich diese Flucht verhindern? Es ist längst zu spät, wenn ich spüre, dass ich ein Anderer bin. In welchen Situationen findet diese Flucht statt? Ich weiß es nicht, denn der Übergang ist schleichend, sodass ich es viel zu spät bemerke, wenn überhaupt.

Wie also kann ich mir selbst helfen? Wen kann ich um Hilfe bitten? Und ist dieser Mensch überhaupt fähig mir zu helfen? Wird er wissen was zu tun ist? Wäre ich in der Lage ihm meine Situation zu schildern? Werde ich dann überhaupt noch wissen in welcher Situation ich mich befinde?

Mein anderes Ich wird diese Gedanken wahrscheinlich als falsch werten und verdrängen und ich habe wieder verloren. Natürlich könnte ich diese Zeilen noch vorher an einen vertrauten Menschen weitergeben. Doch mein anderes Ich wird mit aller Macht versuchen sich gegen diesen Text zu wehren. Wer will schon glauben, dass er nur eine zerrissene Persönlichkeit eines anderen ist? Der Selbsterhaltungswille ist einfach zu mächtig.

Wie ist es also möglich einem Menschen bewusst zu machen, dass seine Persönlichkeit nicht wahr ist? Das Problem ist doch, an den wenigen Tagen  an denen ich wirklich ich selbst bin, bin ich mir über die anderen Persönlichkeiten bewusst, doch sobald ich eine andere Persönlichkeit angenommen habe, ist diese die einzig wahre und all meine Gedanken richten sich nach ihr.

Es ist eine schier ausweglose Situation und doch habe ich Hoffnung. Wenn ich nur genügend Veränderungen in mein Leben bringe, werde ich vielleicht irgendwann nicht mehr flüchten. Ich glaube sogar dass es bereits weniger geworden ist, selbst wenn es mir jetzt besonders Bewusst geworden ist. Oder vielleicht ist es mir gerade deswegen bewusster denn je, weil die klaren Momente in meinem Leben häufiger geworden sind.

Antworten

Man sieht, ich hatte wirklich viele Fragen, die ich mir selbst nicht beantworten konnte. Aus diesem Grund möchte ich das in den nächsten Beiträgen tun. Ich bin selbst gespannt, was dabei raus kommt. Doch eins ist klar, ich werde sie endlich beantworten können und alleine bei diesem Gedanken kommen mir jetzt schon die Tränen, weil ich die Traurigkeit des Menschen, der diesen Text geschrieben hat, nachfühlen kann. Und gleichzeitig empfinde ich Glück bei dem Gedanken, dass diese unbeantworteten Fragen nach 10 Jahren nun endlich eine Antwort bekommen dürfen.

Selbst heute ist noch jeder Tag ein kleiner Kampf für mich. um nicht in alte Gewohnheiten und Muster zu fallen, die ich mir leider im Laufe des Erwachsenwerdens angeeignet habe. Doch nun weiß ich zumindest wer ich bin und wofür ich kämpfe und dass ich jeden Tag einen weiteren kleinen Schritt in die richtige Richtung gehe, um das Leben zu bekommen, das ich mir wünsche.

Und jetzt bringen wir noch ganz schnell wieder Farbe ins Spiel, denn mein Leben ist längst nicht mehr so schwarz-weiß, wie im Beitragsbild 😉

Dazu fällt mir noch ein schönes Zitat ein. welches ich erst kürzlich auf Instagram gesehen habe, es passt einfach perfekt ♥

„We delight in the beauty of the butterfly, but rarely admit the changes it has gone through to achieve that beauty.“, Maya Angelou

„Wir erfreuen uns an der Schönheit des Schmetterlings, geben aber selten zu, welche Veränderungen er durchgemacht hat, um diese Schönheit zu erreichen.“, Maya Angelou

Alles Liebe
Eure Leonie ♥

2 Kommentare

  1. Anne Schmitter

    Liebe Leonie, schön dass du endlich dein Glück gefunden hast. Ich wünsch dir alles Gute für deinen Lebensweg und ich freu mich hier daran teilnehmen zu können.
    Liebe Grüße
    Anne

    Antworten
    • Leonie Seifert

      Yaaay, mein erster Kommentar ♥♥♥

      Dankeschön für deine lieben Worte! 🙂 Und es freut mich total, dass du vorbeigeschaut hast und meinen Blog anscheinend verfolgst ♥ Ich freue mich über jedes noch so kleine Feedback, denn dann weiß ich immerhin, dass meine Beiträge auch gelesen werden 🙂

      So oder so, letztlich tue ich das hier insbesondere für mich, um mich noch besser verstehen zu lernen und reflektieren zu können. Doch fast genau so wichtig ist es mir damit Aufklärung zu betreiben und andere Menschen zu unterstützen, die einen ähnlichen Weg einschlagen oder sich vielleicht sogar dadurch selbst wiedererkennen und den Mut fassen, sich selbst ein paar der Fragen aus diesem Beitrag zu stellen und sich einfach mal ausprobieren. Denn diese Fragen können zu großen Teilen fast nur durch Selbsterfahrung beantwortet werden 🙂

      Vielleicht sieht man sich ja demnächst irgendwann mal wieder, das würde mich jedenfalls sehr freuen ♥

      Liebe Grüße
      Leonie

      Antworten

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